Sehen & Sport: Interview
Interview des Schweizerischen Optikerverbandes vom 6.7.1997
Im Auge: Sport, Spass und Sicherheit
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Interview mit Martin Roost, eidg. dipl. Augenoptiker, Mitautor einer Studie über sportbedingte Augenverletzungen und Fachreferent Sport des Schweizerischen Optikerverbandes SOV. |
Stellen sich beim Sport andere Anforderungen an das Sehen als im Alltag?
"Grundsätzlich ja. Im Sport sind blitzschnelles Erkennen einer Situation sowie
eine einwandfreie Reaktion von entscheidender Bedeutung. Das dynamische Sehen,
also das visuelle Erfassen und Verarbeiten von Objekten in Bewegung, gewinnt
deshalb stark an Bedeutung. Gutes Sehen ist aber auch eine der Grundvoraussetzungen,
um Verletzungen zu vermeiden. Wer mehr sieht beim Sport, ist meist nicht nur
besser, sondern auch sicherer bei der Ausführung."
Inwiefern wirkt gutes Sehen leistungssteigernd?
"Beim Fussball beispielsweise nützen raffinierte Technik und perfekte Ballbeherrschung
wenig, wenn es am guten beidäugigen Sehen fehlt. Eine wichtige Voraussetzung,
um den Ball zu beobachten, Distanzen richtig abzuschätzen und Bewegung und Mimik
der Gegenspieler wahrzunehmen. Nur so kann man im rechten Moment richtig reagieren
und den entscheidenden Pass oder Torschuss plazieren. Auch Hürdenläufer und
Hochspringer müssen die Distanz zur Hürde oder Latte richtig abschätzen können,
um rechtzeitig abzuspringen. Wesentlich ist gutes beidäugiges Sehen z.B. auch
beim Golfspielen: Die Tiefenwahrnehmung hat hier einen entscheidenden Einfluss
auf das Können der Spieler/innen."
Was empfehlen Sie zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten beim Sport: Kontaktlinsen oder eine Brille?
"Die Frage kann heute nicht mehr so gestellt werden: Entscheidend ist der individuelle
Fall. Es gibt Sportarten, wo die Brille als Schutz vor UV-Strahlen, Zugluft
oder anderen mechanischen Einflüssen nicht mehr wegzudenken ist, wie zum Beispiel
beim Ski- oder Velofahren. Bei guten Sportbrillen kann auch problemlos ein Adapter
für Korrektiongläser angebracht werden, ohne das Aussehen oder die Schutzwirkung
der Brille zu verändern. Es gibt aber zahlreiche Sportarten, wie z.B. Fussball,
bei denen Kontaktlinsen die weitaus bequemere Lösung sind. Sie stören nicht
und laufen nicht an. In vielen Fällen stellt die Kombination von Kontaktlinsen
und Sportbrille die beste Lösung dar."
Was ist bei einzelnen Sportarten besonders zu beachten?
"Beim Fussball und anderen körperbetonten Ballsportarten sind Kontaktlinsen
sicher eine ideale Möglichkeit, um Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Sie bieten
jedoch keinerlei physischen Schutz. Obwohl man keinen Profispieler sieht, der
eine Sportbrille trägt, sind manche Hobby- und Regionalligafussballer weise
genug, ihr Augenlicht so zu schützen. Beim Ski- und Snowboard-Fahren ist gutes
Sehen eine wesentliche Sicherheitsvoraussetzung. Viele Unfälle passieren, weil
Leute "übersehen" oder Hindernisse nicht rechtzeitig erkannt worden sind. Weiter
ist beim Wintersport unbedingt ein optimaler Sonnen- und UV-Schutz zu tragen.
Schneeflächen reflektieren die schädliche Strahlung und vervielfachen die Belastung
des Auges. Auch Velofahrer sollten eine Sportbrille tragen - zum Schutz vor
Zugluft, Wind und Staub. Mit einem grossen Blickfeld, bruchsicheren Gläsern
und einem wirkungsvollen UV-Schutz."
Wie hoch ist das Risiko von Augenverletzungen beim Sport?
"In der Schweiz sind pro Jahr rund 2’500 sportbedingte Augenverletzungen zu
verzeichnen. Ein Grossteil liesse sich mit geeigneten Schutzbrillen vermeiden.
Bei einer 1995 durchgeführten Umfrage unter den deutschschweizerischen Augenkliniken
wurde Squash als eindeutig gefährlichste Sportart für die Augen bezeichnet.
Die Wucht des Balles, aber auch die unmittelbare Nähe zum Schläger des Gegners,
bergen beim Squashspiel besonders hohe Risiken für unser wichtigstes Sinnesorgan.
Aufgrund meiner Erfahrungen empfehle ich dringend, bei dieser Sportart immer
eine Schutzbrille zu tragen. Zudem müsste man, wie in den USA bereits vorhanden,
über ein Schutzbrillen-Obligatorium zumindest nachdenken."
Welche anderen Sportarten sind ebenfalls mit Vorsicht zu betreiben?
"Als gefährlich für die Augen müssen vor allem auch Eishockey, Hallenhockey
und Hornussen bezeichnet werden. Hier muss bei der Ausübung ein Gesichtsschutz
getragen werden. Grundsätzlich sollten dies Schulen oder Ausrüstungsvermieter
zur Verfügung stellen können. Ein hohes Risiko besteht natürlich auch bei Kampfsportarten
mit Körper- bzw. Kopfkontakt. Doch wer solche Sportarten ausübt, ist sich wohl
über die hohe Verletzungsgefahr im Klaren."
Wie kommt man zur idealen Sportbrille?
"Die Universalbrille für jederman gibt es nicht. Jede Sportlerin, jeder Sportler hat individuelle Bedürfnisse, die eine individuelle Lösung verlangen. Augenoptiker und Kunde müssen sich Zeit nehmen für eine umfassende Abklärung der jeweiligen optischen Ansprüche der ausgeübten Sportarten. Nicht zu vergessen ist, dass eine gute Sportbrille auch optimal an das Gesicht der Trägerin bzw. des Trägers angepasst sein muss. Wenn es um den Schutz der Augen geht, sollten keine Qualitätsabstriche gemacht werden, dies gilt im Besonderen auch für den UV-Schutz bei Aktivitäten im Freien!"