Sehen im Strassenverkehr

Wer gut sieht, fährt sicher besser

Um im zunehmend hektischen Strassenverkehr die Übersicht und den Durchblick zu behalten, braucht es "scharfe Augen". Über 90% aller verkehrsrelevanten Informationen werden visuell aufgenommen . Ein gutes Sehvermögen ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Wer es im Auge behält, regelmässig testen und bei Bedarf korrigieren lässt, trägt entscheidend zur eigenen und allgemeinen Sicherheit bei.

Übersicht:

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Die Faktoren des guten Sehens im Verkehr

Hohe Ansprüche an die Wahrnehmung

Während ein Fahrer sein Auto mit 50 km/h durch eine Ortschaft pilotiert, erbringt sein visuelles Wahrnehmungssystem eine Höchstleistung an Informationsverarbeitung. Er schaut in Fahrtrichtung, hat aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer, die Passanten auf dem Trottoir und allfällige Verkehrssignale im Auge sowie den Tacho und die Rückspiegel unter Kontrolle. Was der Fahrer als konstanten, allgemeinen Übersichtsblick empfindet, ist in Wirklichkeit eine Kaskade von Einzelblicken und Bildern, die erst im Gehirn zu einem Ganzen zusammengesetzt werden.

Beim Autofahren müssen alle Seh- und Wahrnehmungsfunktionen gut zusammenarbeiten, um eine optimale und ermüdungsfreie Leistung sicherzustellen: Von der Beweglichkeit und dem intakten Zusammenspiel beider Augen bis zur guten Sehschärfe in allen Licht- und Witterungssituationen.

Die 5 Fahraufgaben

  1. Planung der Fahrweise für die kommenden Sekunde
  2. Kontrolle der aktuellen Fahrzeugbewegung und -position
  3. Überwachung des Verkehrsraumes
  4. Antizipation möglicher Ereignisse
  5. Orientierung im Strassennetz

In allen Bereichen spielt die visuelle Wahrnehmung eine wesentliche Rolle

Zentrale Tagessehschärfe

Wirklich gut, d.h. scharf und bewusst, sieht der Mensch nur dort, wo er gerade hinblickt. Dieses zentrale Sehen wird vom peripheren Sehen ergänzt, wobei beide Sehformen eng miteinander kooperieren. Beispiel: Wir sehen etwas aus den Augenwinkeln und können es sofort mit dem Blick fixieren.

Die zentrale Tages-Sehschärfe (ZTS) bezeichnet die Fähigkeit des Auges, Gegenstände bei normalem Tageslicht klar zu erkennen. Eine durchschnittlich gute Sehschärfe wird mit Visus 1,0 oder Visus 100% bezeichnet.

Eine gute ZTS ist wesentlich, um die Entwicklung auf der Strasse frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig reagieren zu können. Je geringer die Sehschärfe, desto später werden Verkehrssituationen, andere Verkehrsteilnehmer und Hinweisschilder erfasst. Die Folge sind verspätete, abrupte Reaktionen. Entscheidend auch bei Überholmanövern: Nur wer scharf sieht, schätzt die Geschwindigkeiten entgegenkommender Fahrzeuge richtig ab.

Beeinträchtigt wird die ZTS v.a. durch Kurz- und Übersichtigkeit. Kurzsichtige sehen je nach Grad ihrer Sehschwäche in die Ferne nur verschwommen, was sich mit Kontaktlinsen oder Brillengläser leicht kompensieren lässt. Bei der Übersichtigkeit stellt sich die Augenlinse beim Sehen in die Ferne so ein, wie ein normalsichtiges Auge beim Nahsehen. Um in die Ferne zu blicken, müssen dies Übersichtige mit einer dauernden, zusätzlichen Sehanstrengung kompensieren. Bei Ermüdung wird daher bald auch die Sehleistung beeinträchtigt.

Wer gut sieht, kann Distanzen und Verkehrssituationen besser einschätzen und entsprechend reagieren. Eine schlechte Sicht verkürzt den Reaktionszeitraum beträchtlich!

Testen Sie Ihre zentrale Tagessehschärfe!

Gesichtsfeld / peripheres Sehen

Das Gesichtsfeld umfasst den Sehbereich, der bei ruhigem Kopf und unbewegten Augen wahrgenommen werden kann. Im Unterschied zum zentralen Sehfeld, wird der periphere Teil des Gesichtsfeldes nicht in voller Schärfe gesehen. Trotzdem ist gerade auch die Aufnahme von Verkehrsinformationen aus dem Seh-Randbereich wesentlich für eine gute visuelle Gesamtwahrnehmung.

Zentrales und peripheres Sehen: der Mensch sieht nur das optimal und voll bewusst, was er direkt anblickt. Gerade im Strassenverkehr ist auch ein intaktes peripheres Sehvermögen wichtig.

Alkohol hat starke Auswirkungen besonders auch auf die periphere Wahrnehmung. Die Verminderung der allgemeinen Sehleistung setzt bereit bei 0,2 Promille ein!

Gesichtsfeldausfälle entstehen meist durch Augenerkrankungen (z.B. Makuladegeneration). Im Extremfall ergibt sich ein Tunnelblick, mit dem nur noch das genau vorausliegende erkannt werden kann; aber auch partielle Ausfälle des Gesichtsfeldes sind möglich. Ausfälle des einen Auges werden oft durch das andere Auge kompensiert. Werden Gesichtsfeldeinschränkungen bei einem augenoptischen Sehtest vermutet, sind weitere medizinische Abklärungen dringend angezeigt.

Dämmerungssehen / Nachtmyopie

Wenn es dunkel wird, schaltet unser visuelles System fein abgestuft auf Nachtsicht um: Auf der Netzhaut des Auges werden anstelle der Zäpfchen zunehmend die lichtempfindlicheren, aber nicht farbsichtigen Stäbchen aktiv. In der Dämmerung sind beide Arten von Sehzellen an der Wahrnehmung beteiligt; im Dunkeln sind nur noch die Stäbchen "wach". Diese Sehzellen können feine Hell/Dunkel-Unterschiede, aber keine Farben erkennen. Beispiel: Das fahle Mondlicht ist nicht hell genug, um unsere Sehzapfen anzuregen - wir sehen daher nur in Grautönen. Als "nachtmyop" gelten Menschen, deren Stäbchensehen beeinträchtigt ist: Obwohl sie am Tag durchaus gut sehen können, werden sie bei Dunkelheit kurzsichtig.

Schwarz-Weiss-Sehen bei Nacht: Auch bei guter Sicht (z.B. Vollmond) verschwinden ohne Farben die Kontraste: die Sehfähigkeit verringert sich um das 10 bis 20fache.

Da die Farben als Orientierungshilfen für die Wahrnehmung zunehmend wegfallen (Nachts sind alle Katzen grau), reduziert sich das Nachtsehvermögen gegenüber der Tagessehschärfe dramatisch. Auch ein Mensch mit guten Augen hat nachts eine Sehfähigkeit von 5 bis 10 %. Eine vorhandene leichte Kurzsichtigkeit, die im Alltag problemlos kompensiert wird und keine Sehhilfe erfordert, kann sich nun störend bemerkbar machen. Umgekehrt können eine Brille oder Kontaktlinsen in vielen Fälle helfen, unter kritischen Lichtverhältnissen den Überblick zu behalten.

Das Dämmerungs- und Nachtsehen verringert sich mit zunehmenden Alter bei jedem Menschen in unterschiedlichem Masse. Dieser Prozess lässt sich - im Gegensatz zu den meisten anderen Fehlsichtigkeiten - nicht korrigieren bzw. kompensieren. Das Fahren in Dämmerung und Dunkelheit beansprucht auch die besten Augen bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Wer nach dem Eindunkeln Mühe mit Sehen hat, sollte auf Nachtfahrten eher verzichten.

Scheinwerfer und eine saubere, unverkratzte Windschutzscheibe verbessern die Sicht nach vorn; trotzdem ist für eine sichere Sicht die volle Aufmerksamkeit gefordert.

Wichtig bei Dämmerung/Nacht:

  • Sonnenschutzbrille ablegen!
  • Keine getönten Brillen tragen
  • Brillen mit entspiegelten Gläsern benutzen

Blendungsempfindlichkeit

Im "Abblendlicht"-Modus sollten die richtig eingestellten Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge nicht störend wirken. Bei erhöhter Blendempfindlichkeit werden einzelne Lichter jedoch zusehends zu gleissenden Lichtschwaden, die das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Körperliche Ursachen für eine erhöhte Blendempfindlichkeit sind alters- oder krankheitsbedingte Trübungen des Auges (Hornhaut, Linse, Glaskörper), welche ähnlich einem zerkratzten Glas, die Lichtstrahlen streuen. Nie in die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge blicken. Bei Empfindlichkeit: Keine Sonnenbrille oder getönte Brillengläser tragen - sie schützen kaum und "schlucken" zuviel Licht.

Normale Sicht   Erhöhte Blendempfindlichkeit

Stellung und Beweglichkeit der Augen

Die richtige Stellung der Augen im Kopf und deren optimale Beweglichkeit - jedes Auge wird von jeweils sechs Muskeln gesteuert - sind Grundvoraussetzungen für eine gute Sehfähigkeit. Die Sehachse bzw. Blickrichtung beider Augen müssen im Fernblick stets exakt parallel ausgerichtet sein. Bei leichten Fehlstellungen eines oder beider Augen, versucht unser Wahrnehmungsapparat, den Fehlwinkel durch entsprechende Einstellungen bei den Augen zu korrigieren. Doch diese verstärkte Sehanstrengung kostet Kraft, obwohl sie vom betroffenen selbst oft kaum wahrgenommen wird. Augenbrennen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schielen und gelegentliche Doppelbilder können Hinweise auf diese Art von Sehstörung sein.

Mit blitzschnellen Muskelbewegungen stellen sich die Augen auf unterschiedlichste Distanzen ein - oft nur für den sprichwörtlichen Augenblick.   Winkelfehler an der Sehachse hat auf grössere Distanz optische Auswirkungen, die durch vermehrte Sehanstrengungen kompensiert werden müssen.

Binokulares Sehen

Durch Überlagerung der beiden Bilder, welche die Augen dem Gehirn übermitteln, entsteht ein gemeinsames Bild mit Tiefenwirkung. Die Fähigkeit, die Raumtiefe zu erkennen, ist im Strassenverkehr wesentlich, um Distanzen richtig einschätzen zu können - beim Überholen ebenso wie beim Einparkieren. Wie die Tages-Sehschärfe und das Gesichtsfeld wird auch das beidäugige (binokulare) Sehen bei Verkehrssehtests geprüft.

Farbe sehen

Von Farbsinnstörungen sind bis zu 10 % der Männer und nur ca. 0,5% der Frauen betroffen. Sie führen dazu, dass Rot-/Grüntöne oder Blau-/Gelbtöne nicht wahrgenommen werden können: Diese Farben erscheinen wie auf einem Schwarzweiss-TV in abgestuften Grautönen.

Ein eingeschränktes Farbensehen ist im Verkehr ein Unsicherheitsfaktor. Signalisationen und Warnlichter können weniger gut erkannt werden. Gefährlich ist eine Rotschwäche beispielsweise auch bei Nebel: Werden Hecklichter nicht schnell genug erkannt, sind Auffahr-Kollisionen programmiert.

Wichtig: Sonnenschutzbrillen dürfen die Farbwahrnehmung nicht zu stark einschränken. Signalfarben müssen als solche klar erkennbar sein. Zum Fahren nur Modelle bzw. Schutzgläser verwenden, die ausdrücklich für den Strassenverkehr zugelassen sind (siehe dazu Kapitel "Sonnenschutz: Worauf Sie achten müssen"). Lassen Sie sich von Ihrer/Ihrem Augenoptiker/in beraten!

Erkennen Sie die Zahl?
Bei einer Rot/Grün-Schwäche erscheinen beide Kreise nur grau gepunktet

Ideale Sehhilfen für Auto-, Motorrad- und Velofahrer

Lösungen für (fast) alle Fehlsichtigkeiten

Mit Ausnahme der "Farbenblindheit" und der verminderten Dämmerungs- und Nachtsehfähigkeit lassen sich heute fast alle Fehlsichtigkeiten korrigieren. High-Tech-Brillengläser und die moderne Kontaktlinsentechnologie machen das gute Sehen für alle möglich - auch bei sehr individuellen Anforderungen.

Die Autobrille: Darauf sollten Sie achten

Freier Blick, auch seitlich: Die Brillengläser sollten nicht zu klein sein, die Fassung schmale Ränder und hoch angesetzte Bügel haben. Man sollte, ohne den Kopf bewegen zu müssen, auch das Geschehen im Rück- bzw. Seitenspiegel überblicken können.

Entspiegelung: Diese Spezialbehandlung macht Gläser lichtdurchlässiger und verhindert Lichtreflexe von Strassenbeleuchtung oder entgegenkommenden Fahrzeugen. Ein Muss für brillentragende Verkehrsteilnehmer/innen, auch wenn die Entspiegelung eine etwas häufigere Reinigung der Gläser erfordert.

Tönung: Wer abends und nachts auf der Strasse unterwegs ist, sollte auch auf eine leichte Tönung der Gläser verzichten. Obwohl kaum sichtbar, schluckt sie wertvolles Licht.

Gleitsichtgläser: Die ideale Lösung für Menschen ab 40/45 Jahre, bei denen sich die Altersweitsichtigkeit bemerkbar macht. Diese Glastechnologie bietet Lösungen für bisher Normalsichtige ebenso wie für alle korrigierbaren Fehlsichtigkeiten.

Perfekter Sitz: Wenn die Brille dauernd auf der Nase rutscht, nützen präzise ausgerechnete und zentrierte Korrektionsgläser wenig. Ein perfekter, bequemer und rutschfreier Sitz der Brille ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.

Ersatzbrille: Bei längeren Fahrten (Ferien, Reisen) immer dabei haben!

Kontrastverstärkende Gläser: Als verkehrstauglich zugelassene Spezialgläser können in schlechten Lichtverhältnissen zu einer verbesserten Kontrastwahrnehmung verhelfen (siehe auch Kapitel "Sonnenschutz" - Spezialgläser für Autofahrer/innen). Fragen Sie Ihre/Ihren Augenoptiker/in.

Brillen-Tipps

  • Halten Sie die Gläser sauber
  • Regelmässig bzw. vor Autofahrten mit einem geeigneten Tüchlein Gläser abwischen. Brille und Gläser ab und zu mit etwas warmem Wasser waschen und mit Baumwolltuch abtrocknen.
  • Halten Sie die Fassung im Schuss.
  • Bügel etwas verbogen, sitzt die Brille nicht mehr ideal? Besuchen Sie Ihre/n Augenoptiker/in - sie/er wird Ihnen die Fassung wieder richten.

Fahren mit Kontaktlinsen

Kontaktlinsen bieten für Verkehrsanforderungen eine ideale Sehkorrektion (freies Gesichtsfeld). Längere Fahrten erst nach guter Angewöhnung an die Linsen unternehmen und Reservebrille immer dabei haben!

Lösungen für Motorradfahrer/innen

Das meiste, was über Sehhilfen beim Autofahren gesagt wurde, gilt auch für das Motorrad. Zusätzlich gibt es hier noch Schutzanforderungen zu beachten.

Mancher Zweiradfan fährt auch gerne mit offenem Visier bzw. mit visierlosem Helm. Auch Normalsichtige sollten dabei eine Brille tragen, die vor Zugluft um die Augen, Partikeln in der Luft und bei Tag vor UV-Strahlung schützt.

Für korrigierte wie unkorrigierte Schutzbrillen geeignet sind leichte, flexible Fassungen mit flachen elastischen Bügelenden und einem elastischen Nasensteg. Die Brille sollte leicht aufzusetzen sein und auch bei geschlossenem Visier nicht beschlagen. Nehmen Sie beim Brillenkauf Ihren Helm mit, der vorzugsweise bereits über ein leistungsfähiges Lüftungssystem verfügt. Lassen Sie sich von Ihrer/Ihrem Augenoptiker/in beraten!

Kontaktlinsen: Auf dem Motorrad nur mit Vollvisierhelm oder Schutzbrille (sicherer Schutz vor Zugluft!). Auf alle Fälle Ersatzbrille dabeihaben.

Wichtig für Motorradfahrer/innen: nehmen Sie Ihren Helm beim Brillenkauf mit!

Durchblick auf dem Velo

Velofahrer/innen sind die am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer. Die defensive Fahrweise auf dem Velo erfordert Umsicht und Reaktionsvermögen - gutes Sehen ist dafür Voraussetzung. Wer viel fährt, vor allem auch längere Strecken über Land, braucht Schutz vor Zugluft und Partikeln. Geeignete Velobrillen sind so gestaltet, dass man auch in der klassischen Rennposition optimal nach vorne sehen kann.

 

Sonnenschutz - worauf Sie achten müssen 

An blendend schönen, aber auch an leicht bedeckten Tagen kann eine Sonnenbrille wesentlich zu einer guten Sicht beitragen und zugleich vor belastenden UV-Strahlen schützen. Nach Einbruch der Dämmerung sollten generell keine Sonnenschutzbrillen mehr getragen werden; v.a. auch nicht bei nächtlicher Blendempfindlichkeit.

Europäische und Schweizer Normen legen fest, wann ein Sonnenschutzglashersteller seine Produkte als verkehrstauglich oder nachtfahrtauglich bezeichnen darf (u.a. DIN EN ISO 14889).

Ein als verkehrstauglich geltender Filter muss im Minimum 8% des Lichts durchlassen. Bei Berufsfahrern sind als Limite 18% gefordert (SN EN 172). In unseren Breitengraden sind Gläser der Klassen 2 und 1 empfehlenswert. Gute Sonnenschutzgläser gibt es für Korrektions- und unkorrigierte Schutzbrillen sowie als Clips, die auf Korrektionsbrillen aufgebracht werden können.

Spezialgläser für Autofahrer/innen

Zur Kontraststeigerung bei Dämmerung, Nebel, Regen, Schnee und Dunkelheit und gleichzeitigem UV-Schutz unter Tage gibt es spezielle, meist orange Sportgläser, die das Sehen erleichtern können. Wichtig ist, dass diese Gläser die Signallichterkennung der Farben Rot, Gelb, Grün und Blau nicht verfälschen. Lassen Sie sich von Ihrer/Ihrem Augenoptiker/in beraten.

Phototrope Sonnenschutzbrillen

Phototrope, d.h. bei zunehmender Helligkeit automatisch eindunkelnde Gläser sind im Strassenverkehr nur bedingt zu empfehlen. Ihre Eignung hängt sowohl von der Qualität und Reaktionsempfindlichkeit der Gläser als auch von den Umgebungsfaktoren ab (tunnel- und waldschattenreiche Bergstrasse bzw. freie Autobahn).

Achtung bei getönten Windschutzscheiben

Bei vielen Autos ist die komplette Fahrzeugverglasung, inklusive Frontscheibe leicht getönt, um die Innentemperatur bei Sonneneinstrahlung zu senken. Was am Tag angenehm ist und gegen Sonnenblendung vorbeugt, kann bei Einbruch der Nacht behindernd wirken: Für Fahrer/innen mit herabgesetzter Dämmerungssehschärfe schluckt diese Tönung zuviel Licht - bei stark geneigten Frontscheiben bis zu 33%.

 

Gute Sicht aus dem Auto

Moderne Fahrzeuge bieten meist eine gute Sicht aus der Fahrerposition und über moderne Scheinwerferanlagen. Für eine optimale Sicht aus dem Auto müssen dessen optische Komponenten gewartet, gepflegt und vor allem auch sauber gehalten werden.

Frontscheiben / Windschutzscheiben

Schonung und Kontrolle: Genügend Abstand zum Vordermann ist eine der wichtigsten Sicherheitsvoraussetzungen im Strassenverkehr. Es schont zudem auch die Frontscheiben: Je näher am Heck eines anderen Fahrzeuges, desto mehr werden kleinste Steinchen und Dreckpartikel an die Frontscheibe geschleudert. Kleine Hicke fördern den Verschleiss des normalen Alterungsprozesses und beginnen, die Lichtstrahlen zu streuen. Lichtverlust und störende Blendeffekte sind die Folge. Beeinträchtigte Frontscheiben auswechseln lassen!

Getönte Frontscheiben: Bei herabgesetztem Dämmerungssehvermögen unbedingt klare Frontscheiben-Ausführung ohne Tönung verlangen (bei Neukauf) bzw. nachträglich beim Autoglaser einbauen lassen.

Reinigung Aussen: Schonend Reinigen - auch kleinste Kratzer summieren sich mit der Zeit zu optisch störenden Effekten. Tipps zum Reinigen von Hand:

  • Hartnäckigen Schmutz zuerst aufweichen statt mit Kraft abschaben
  • Schaum-Reinigungsmittel verwenden (Schmiereffekt)
  • Viel Wasser beim Abspülen verwenden

Halten Sie Umschau

Regelmässiger Blick in den Rückspiegel:
Blicken sie häufig, alle 10-20 Sekunden kurz in den Rückspiegel - dies erspart unangenehme Überraschungen

Sicherungsblick vor jedem Manöver

Auch die beste Rückspiegelanlage kann den kurzen Blick zurück nicht ersetzen.

Vor jedem Manöver:

  1. Blick in den zentralen Rückspiegel
  2. Blick in den Seitenspiegel links/rechts
  3. Kopf drehen: Ist die Strasse links/rechts wirklich frei?

Reinigung Innen: Frontscheiben müssen ab und zu unbedingt auch von innen gereinigt werden (z.B. mit Glasreiniger). Weichmacher-Ausdünstungen der beim Autobau verwendeten Kunststoffe und feine, an die Frontscheibe gewirbelte Staubteilchen schaffen einen dünnen Schmutzfilm, der als erheblicher Lichtfilter wirken kann. Rauchen im Fahrzeug verstärkt diese Schmutzfilmbildung noch beträchtlich.

Eiskratzen im Winter: Kein wildes Hin-und-Her und kein Hacken aufs Packeis! Als bestes Vorgehen hat sich das folgende bewährt: Zuerst mit der geriffelten Seite des Eiskratzers von der Scheiben-Aussenseite zur Mitte hin arbeiten. Dann mit der glatten Seite die Scheiben von oben nach unten reinigen.

 

Optische Komponenten des Autos:

  • Frontscheibe
  • Scheibenwischer
  • Scheinwerfer
  • Rückspiegel

Scheibenwischer

Nur nass verwenden: Betätigen Sie die Wischer nie trocken, sonst schmirgeln sie Staub und Sandkörner über die Glasoberfläche. So entstehen kleine Kratzer, die Streulicht verursachen.

Wartung: Achten sie darauf, dass die Gummilippen der Wischer in Ordnung sind. Bei Streifen- und Schlierenbildung sofort auswechseln und regelmässig neue Lippen einsetzen. Rattert der Wischer, stehen Wischerblatt oder -arm schief. Sofort reparieren lassen, sonst leidet die Sicht.

Draussen parken im Winter:

Scheibenwischer wegklappen - verhindert Wischergummirisse und -ausbrüche beim Losreissen nach Frostnächten.

Scheinwerfer

Ideale Scheinwerfer haben eine hohe Reichweite und eine gleichmässige, helle Breiten-Ausleuchtung. Erkundigen Sie sich beim Autokauf nach der Ausstattungsmöglichkeiten.

Richtige Einstellung: Schlecht eingestellte Scheinwerfer lassen viel wichtige Verkehrsinformation im Dunkeln verschwinden oder stören gar andere Verkehrsteilnehmer. Lassen Sie die Einstellung ihrer Scheinwerfer regelmässig überprüfen.

Sauberkeit: Verdreckte Lampen nützen wenig. Reinigen Sie Scheinwerfer und Rücklichter möglichst häufig. Ggf. Anschaffung einer Scheinwerfer-Reinigungsanlage prüfen.

Rückspiegel

Der Innenspiegel sowie ein linker (Vorschrift) und idealerweise auch ein rechter Aussenspiegel helfen dem Autolenker beim Blick zurück. Diese Übersichtshilfen sind richtig einzustellen und entsprechend regelmässig und vor allen Manövern auch zu nutzen.

Bei Blendung auf "Abblendstellung" wechseln (bei fast allen Fabrikaten möglich).

Haben Sie keinen rechten Aussenspiegel?

Unbedingt nachrüsten - so erleichtern Sie sich Parkmanöver sowie den Überblick über den Nachfolge-Verkehr.

 

Rechtliche Bestimmungen / Entwicklungen

Gesetzliche Minimalanfordrungen

Die Schweizerische Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr VZV stellt nach Art. 6, 49 und 65) folgende Mindestanforderungen an das Sehvermögen für Fahrzeuglenker (Gruppe III). Für LKW- und Busfahrer (Gruppe II und I) werden höhere Anforderungen gestellt.

Gruppe III

Kategorie A, A1, A2, B, C1, D2, F und G
Fahrlererausweis-Kategorie III

Gruppe II

Kategorie C und D1
Fahrlehrerausweis-Kategorie I, II und IV
Sachverständige

Gruppe I

Kategorie D

  1. Auge Vis. 0.6
  2. Auge Vis. 0.1

Gesichtsfeld minimal 140°

KEIN Doppelsehen

Einäugige oder einseitig Erblindete: korrigiert oder unkorrigiert minimal 0,8. Keine Einschränkung des Gesichtsfeldes.

  1. Auge Vis. 0.8
  2. Auge Vis. 0.8

oder

  1. Auge Vis. 1.0
  2. Auge Vis. 0.6

KEINE Gesichtsfeldeinschränkung
KEIN Doppelsehen
KEINE Einschränkung des Stereosehens
KEINE Störung des Dämmerungssehens

Keine Aphakie (Linsenverlust), ausser bei ganztägiger Korrektur mit Kontaktglas und Binokularsehen.

  1. Auge Vis. 1.0
  2. Auge Vis. 0.8

Gläser max. -4.0dpt. bis +3.0dpt
Astigmatismus max. 2.0dpt

KEINE Gesichtsfeldeinschränkung
KEIN Doppelsehen
KEINE Einschränkung des Stereosehens
KEINE Störung des Dämmerungssehens
KEINE Einschränkung des Binokularsehens

Keine Aphakie (Linsenverlust), ausser bei ganztägiger Korrektur mit Kontaktglas und Binokularsehen.
Kein Lagophtalmus.
Keine Ptosis höheren Grades.
Keine Pupillenstarre, auch einseitig nicht.

Führerschein-Bewerber, welche die verlangte Sehschärfe nur mit Brille oder Kontaktlinsen erreichen, sind zum Tragen ihrer Sehhilfen während der Fahrt verpflichtet.

Auch für das Führen von Fahrzeugen, die keinen Ausweis verlangen (z.B. kleiner Traktormäher), wird ein minimales Sehen gefordert (VZV Art. 6,2): Mindestsehschärfe einäugig von 0,2 ohne extreme Gesichtsfeldeinschränkung

Appell an die Eigenverantwortung: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass mündige Bürger ihr Sehvermögen selbst im Auge behalten und bei Bedarf korrigieren lassen.

Regelmässige Sehtests für Verkehrsteilnehmer?

Bis anhin wird in der Schweiz wie in Europa nur bei Erteilung des Lernfahrausweises ein Seh-Attest verlangt. Einzig Irland, Grossbritannien, die Niederlanden und Portugal verlangen für Fahrzeuglenker ab 70 Jahre eine erneute Sehprüfung. Eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission möchte regelmässige Sehtests ab 40 oder 50 Jahre europaweit einführen.

 

Vermeidbare Unfallursache: Schlechtes Sehvermögen


"Den Wagen von links nicht bemerkt"; "Das Hindernis zu spät erkannt", oder: "Das Motorad im Gegenlicht übersehen" - bei unzähligen Verkehrsunfällen spielt ein mangelhaftes bzw. eingeschränktes Sehvermögen eine schicksalsträchtige Haupt- oder Nebenrolle. Gut 20-30% aller Verkehrsteilnehmer sehen zu schlecht, tragen keine oder nur unzureichende Sehhilfen, zeigen Erhebungen des SOV und Studien des Instituts für Demoskopie, Allensbach.

Hauptgrund für den getrübten Scharfblick auf den Strassen ist die Tatsache, dass ein mangelndes oder schwindendes Sehvermögen von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen wird bzw. meistens erst dann, wenn der Prozess bereits stark fortgeschritten ist. Sie lernen unbemerkt, mit der langsam abnehmenden Sehschärfe zu leben und die eingeschränkte Wahrnehmung z.B. mit verstärkten Sehanstrengungen zu kompensieren. Dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Regelmässige Sehtests sind daher für alle Verkehrsteilnehmer unerlässlich.

"Verunglückte Autofahrer leiden mehrheitlich unter Sehproblemen."
Studie Bundesanstalt für Strassenwesen, Bergisch Glattbach.

"Pendler klagen doppelt so häufig wie andere Arbeitnehmer über Augenprobleme."
Studie Institut für angewandte Psychologie, München.

Achtung: Fehlsichtigkeiten nehmen langsam zu, so dass man sich unbemerkt daran gewöhnen kann!

Sehtest-Faustregel für Verkehrsteilnehmer:

bis 40 alle 10 Jahre
über 40 alle 5 Jahre
ab 60 alle 2 Jahre
ab 70 jährlich

 

Selbsttest: Bin ich (noch) fahrtauglich?

Das eigene Sehvermögen selbst richtig einzuschätzen, ist erwiesenermassen kaum möglich. Wenn die Fähigkeit zur Naheinstellung nach dem 40ten Altersjahr nachlässt (Altersweitsichtigkeit), merkt man dies noch bald: Man muss die Zeitung immer weiter von sich weg halten, um scharf zu sehen. Die meisten anderen Fehlsichtigkeiten jedoch sind oder entwickeln sich meist unbemerkt - das heisst sie fallen erst dann auf, wenn sie schon recht fortgeschritten sind.

Eine gewissenhafte Prüfung der Sehfähigkeit gewährleistet nur der Test beim Augenoptiker. Für eine annähernde Selbstbestimmung Ihrer Tages-Sehschärfe dient der Visus-Kurztest, den Sie sich als "Acrobat-PDF"-File herunterladen und ausdrucken können.

Download Visus-Kurztest

Achtung beim Ausdruck auf Ihrem Printer: Druck auf A4-Papier, die Funktion "auf Seitengrösse anpassen" darf im Druckermenü nicht aktiviert sein - sonst gibt es Grössenverzerrungen, welche die Testbedingungen verfälschen.

 

Hand aufs Herz:

Machen Sie Kreuzungen nervös, weil man gleichzeitig in verschiedenen Richtungen so manches beachten muss?

Fühlen Sie sich im dichten Stadtnetz manchmal überfordert?

Haben Sie Schwierigkeiten beim Überholen auf Überlandstrassen?

Stellen Sie ab und zu fest, dass sie in gewissen Situationen langsamer reagieren als früher?

Haben Sie in letzter Zeit ein anderes Fahrzeug oder einen Fussgänger beinahe übersehen?

Haben Sie manchmal das Gefühl, andere Verkehrsteilnehmer zu behindern?

Sollten Sie eine oder mehrere Fragen mit "ja" beantworten: Machen Sie mal einen Sehtest!