Sehen & Sport: Ski

Durchblick auf und neben der Piste

Gutes Sehen und Augenschutz beim Ski- und Snowboardfahren
 
 
 

Bild: Polaroid
Bald ist es wieder soweit: Hunderttausende von Ski- und Snowboardfahrer/innen jeder Alters- und Könnerklasse strömen in die Berge und sausen zu Tal. Hat man am Abend müde Augen oder einen verspannten Nacken – oder gar ein Gipsbein, weil man "diesen Pfosten schlicht übersehen" hat – sollte man seine Sehleistung dringend prüfen lassen. Wer gut sieht, hat auf und neben der Piste mit Sicherheit mehr Spass.

 

Gutes Sehen ist beim Skifahren ebenso wichtig wie eine gute Sicherheitsbindung. Der Alltag auf der Piste aber zeigt, dass fast jeder zweite Brillenträger seine Sehhilfe zuhause gelassen hat: Sie sei störend, einem zu hohen Risiko ausgesetzt oder gar unnötig. Wer so denkt, riskiert lieber sein Bein als seine Brille! Denn Untersuchungen haben ergeben, dass gut 80% der gemeldeten Skiunfälle wegen mangelnder Wahrnehmung entstehen.
 
 

Ach wo - ich seh' doch gut genug!

Diese Ansicht basiert bei manchen wohl auf täglicher Erfahrung. Ist man beispielsweise nur leicht kurzsichtig, mag man sich im Alltag mehr oder weniger gut damit arrangieren. Denn das Gehirn "sieht mit" und ergänzt unklar Gesehenes durch Erfahrung. Was in gewohnter Umgebung soweit funktioniert, kommt bei sich schnell verändernden, neuen Situationen bald an seine Grenzen. Das Gehirn strengt sich übermässig an - Gesichts-, Nacken- und Rückenmuskeln verkrampfen sich, die Reaktionen werden langsamer und die Bewegungen unsicherer. Körperliche Ermüdung, kombiniert mit herabgesetzter Wahrnehmung, erhöht das Unfallrisiko markant. Wer gut sieht, wenn nötig mit Brille oder Kontaktlinsen korrigiert, hat den Kopf und den Blick frei für die Piste.
 
 

Schutz und verbesserte Optik

Auch das schärfste Auge kneift, wenn ihm Schnee und Eiskristalle entgegenfliegen, und tränt bei starkem Wind und grosser Kälte. Eine gute Skibrille gehört daher zu jeder Ausrüstung. Neben Schutz vor Witterungseinflüssen und UV-Strahlung verbessert eine gute Skibrille auch die Optik des Fahrers. Gelbe Filterscheiben bieten eine spürbare Kontrastverstärkung, was vor allem auch bei Nebel sowie bei wechselnden Lichtverhältnissen auf natürlichen Strecken (Wald/freie Flächen = Schatten/Licht) Vorteile bringt. Blaue Filter sind zwar trendy, hinsichtlich der Kontrastverstärkung aber am wenigsten geeignet. Dunklere Scheiben sind während des Tages wirksamer gegen die Blendung, müssen bei nachlassendem Licht jedoch sofort gegen helle Scheiben ausgetauscht werden - sonst wird die Welt auf einmal sehr dunkel... Wer bei jedem Wetter fährt, sollte auch für jede Situation gerüstet sein!

Eine gute Schutzbrille bewährt sich schliesslich auch im schlimmsten Unfall: Wenn dabei einerseits nichts ins Auge geht, und andererseits auch keine Verletzungen durch die Brille selbst entstehen (durch Metallteile oder Glassplitter).
 

 

Das Auge fährt voraus

Skifahrer müssen als erstes die Bodenbeschaffenheit gut erkennen können - Unebenheiten, Steine, Eisplatten, apere Stellen sowie die jeweilige Konsistenz des Schnees -, um ihren optimalen Kurs durch die Hänge zu finden. Dabei sind auch Pistenschilder, Absperrungen und Warntafeln rasch und sicher zu erkennen und zu "verarbeiten".

Ebenso wichtig ist es, andere Skifahrer rechtzeitig wahrzunehmen und ihre Entfernung, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung richtig einzuschätzen. Auch aus dem Augenwinkel heraus muss man eine grobe Bewegung nicht nur orten, sondern auch gleich nach Wichtigkeit "sortieren" können. Dies funktioniert nur, wenn das Geradeaussehen ohne Anstrengung vonstatten geht. Muss sich ein Fahrer schon darauf voll konzentrieren, schaltet sich das Sehen zur Seite aus, die Grobeinteilung des Geschehens ringsum entfällt (Tunneleffekt) und man sieht nur noch, was vor der eigenen Nase ist. Seitliches Sehen ist jedoch äusserst wichtig, um Zusammenstösse zu vermeiden und sich und andere nicht zu gefährden. Ein weiteres Risiko bei schwacher Sehleistung ist der "Fön-Effekt": Was scharf gesehen wird, scheint näher. Unscharf Gesehenes scheint weiter weg zu sein, was zu gefährlichen Fehleinschätzungen von Distanzen führt. Wie im Strassenverkehr, so ist auch auf und abseits der Pisten ein gutes Sehvermögen lebenswichtig.


Skibrillen Tipps vom Augenoptiker

Gut sehen:

Wer eine Brille oder Kontaktlinsen trägt, darf auch beim Skifahren oder Snowboarden nicht darauf verzichten - kombiniert mit einer geeigneten Skibrille.

Sehkorrektion:

Ideal ist die Kombination von Kontaktlinsen mit einer Schutzbrille. Aber auch Ski- resp. Sportbrillen lassen sich mit optischen Gläsern ausrüsten.

Fassung und Gläser:

Die Fassung bzw. das Brillenmodell darf über keine harten Teile (Metall) verfügen, die Gläser sollten aus Kunststoff, vorzugsweise Polycarbonat, sein und über einen UV-Schutzfilter verfügen (siehe UV-Schutz).

Filterfarben:

Dunkle Brillen nur bei extremen Lichtverhältnissen (z.B. Gletscher) tragen. Gelbe Filter verbessern das Sehen bei kontrastarmen Sichtverhältnissen (Nebel, Dämmerung), blaue Filter bringen eher eine Verschlechterung der Sicht.

Guter Halt:

Die Brille muss über vom Augenoptiker angepasste Bügel oder ein Trägerband verfügen. Letzteres sollte elastisch bzw. verstellbar (je nachdem, ob man eine Mütze oder Kapuze trägt) und vorzugsweise hinten verschliessbar sein, so dass man sie nicht über Mütze oder nasse Haare "reissen" muss.

UV-Schutz:

Bei einem Sonnenschutzglas ist eine Filterwirkung bis 400nm verlangt. Ihr Augenoptiker kann über die Filterleistung jedes Gläsertyps genau Auskunft geben. Verspiegelte Gläser halten noch mehr Sonnenstrahlung ab, und ein Seitenschutz verhindert deren seitliches Eindringen.

Vorbeugen:

Auch Skifahren zum Vergnügen ist ein Sport. Ein 10minütiges Aufwärmetraining, das den Puls auf über 150 "jagt", lockert und wärmt nicht nur die Muskeln, sondern erhöht gemäss neusten Untersuchungen auch die Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit. Sehen ist auch ein mechanischer Vorgang - das Auge wird von sechs Muskeln bewegt. Mit einem gezielten Sehtraining lassen sich Schnelligkeit und Blickbewegungen optimieren und die Reaktionsfähigkeit erhöhen - fragen Sie Ihren Augenoptiker.

Alkohol:

Achtung beim Bestellen in der Skihütte: Schon in geringen Mengen setzt Alkohol die Sehleistung drastisch herab.

Sehtest:

Lassen Sie Ihr Sehvermögen alle paar Jahre vom Augenoptiker prüfen und informieren Sie ihn dabei über Ihre sportlichen Aktivitäten.