Rechtliche Bestimmungen

Gesetzliche Minimalanforderungen

Die Schweizerische Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr VZV stellt nach Art. 6, 49 und 65) folgende Mindestanforderungen an das Sehvermögen für Fahrzeuglenker (Gruppe III). Für LKW- und Busfahrer (Gruppe II und I) werden höhere Anforderungen gestellt.

Gruppe III

Kategorie A, A1, A2, B, C1, D2, F und G

Fahrlererausweis-Kategorie III


Gruppe II

Kategorie C und D1
Fahrlehrerausweis-Kategorie I, II und IV

Sachverständige

Gruppe I

Kategorie D


1. Auge Vis. 0.6
2. Auge Vis. 0.1

Gesichtsfeld minimal 140°

KEIN Doppelsehen

Einäugige oder einseitig Erblindete: korrigiert oder unkorrigiert minimal 0,8. Keine Einschränkung des Gesichtsfeldes.











1. Auge Vis. 0.8
2. Auge Vis. 0.8

oder

1.Auge Vis. 1.0
2.Auge Vis. 0.6

KEINE Gesichtsfeldeinschränkung
KEIN Doppelsehen
KEINE Einschränkung des Stereosehens
KEINE Störung des Dämmerungssehens

Keine Aphakie (Linsenverlust), ausser bei ganztägiger Korrektur mit Kontaktglas und Binokularsehen.





1. Auge Vis. 1.0
2. Auge Vis. 0.8

Gläser max. -4.0dpt. bis +3.0dpt
Astigmatismus max. 2.0dpt

KEINE Gesichtsfeldeinschränkung
KEIN Doppelsehen
KEINE Einschränkung des Stereosehens
KEINE Störung des Dämmerungssehens
KEINE Einschränkung des Binokularsehens

Keine Aphakie (Linsenverlust), ausser bei ganztägiger Korrektur mit Kontaktglas und Binokularsehen.
Kein Lagophtalmus.
Keine Ptosis höheren Grades.

Keine Pupillenstarre, auch einseitig nicht.

 


Führerschein-Bewerber, welche die verlangte Sehschärfe nur mit Brille oder Kontaktlinsen erreichen, sind zum Tragen ihrer Sehhilfen während der Fahrt verpflichtet.

Auch für das Führen von Fahrzeugen, die keinen Ausweis verlangen (z.B. kleiner Traktormäher), wird ein minimales Sehen gefordert (VZV Art. 6,2): Mindestsehschärfe einäugig von 0,2 ohne extreme Gesichtsfeldeinschränkung

Appell an die Eigenverantwortung: Der Gesetzgeber geht davon aus, dass mündige Bürger ihr Sehvermögen selbst im Auge behalten und bei Bedarf korrigieren lassen.

Regelmässige Sehtests für Verkehrsteilnehmer?
Bis anhin wird in der Schweiz wie in Europa nur bei Erteilung des Lernfahrausweises ein Seh-Attest verlangt. Einzig Irland, Grossbritannien, die Niederlanden und Portugal verlangen für Fahrzeuglenker ab 70 Jahre eine erneute Sehprüfung. Eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission möchte regelmässige Sehtests ab 40 oder 50 Jahre europaweit einführen.


Vermeidbare Unfallursache: Schlechtes Sehvermögen
"Den Wagen von links nicht bemerkt"; "Das Hindernis zu spät erkannt", oder: "Das Motorad im Gegenlicht übersehen" - bei unzähligen Verkehrsunfällen spielt ein mangelhaftes bzw. eingeschränktes Sehvermögen eine schicksalsträchtige Haupt- oder Nebenrolle. Gut 20-30% aller Verkehrsteilnehmer sehen zu schlecht, tragen keine oder nur unzureichende Sehhilfen, zeigen Erhebungen des SOV und Studien des Instituts für Demoskopie, Allensbach.

Hauptgrund für den getrübten Scharfblick auf den Strassen ist die Tatsache, dass ein mangelndes oder schwindendes Sehvermögen von den Betroffenen selbst kaum wahrgenommen wird bzw. meistens erst dann, wenn der Prozess bereits stark fortgeschritten ist. Sie lernen unbemerkt, mit der langsam abnehmenden Sehschärfe zu leben und die eingeschränkte Wahrnehmung z.B. mit verstärkten Sehanstrengungen zu kompensieren. Dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Regelmässige Sehtests sind daher für alle Verkehrsteilnehmer unerlässlich.

Achtung: Fehlsichtigkeiten nehmen langsam zu, so dass man sich unbemerkt daran gewöhnen kann.

Sehtest-Faustregel für Verkehrsteilnehmer:

bis 40
alle 10 Jahre
über 40 alle 5 Jahre
ab 60
alle 2 Jahre
ab 70 jährlich

 


 
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