Sonne und Augenschutz

Wer sich in Beruf, Freizeit oder Sport länger im Freien aufhält, sollte seine Augen schützen: Vor Blendung und vor allem vor UV-Strahlung. Eine Universal-Sonnenschutzbrille für jede Anwendung gibt es nicht, dafür eine breite Auswahl von geeigneten Schutzgläsern und Tönungen. Genügend grosse, qualitativ hochwertige Gläser sind Voraussetzung – nur dunkel getönte Scheiben bieten keinen Schutz vor UV-Strahlung, sondern können im Gegenteil eher ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Sonnenschutz wird immer wichtiger
Die abnehmende Schutzwirkung der Ozonschicht, aber auch vermehrte Freizeit- und Sport-Aktivitäten im Freien machen den Sonnenschutz immer wichtiger. Neben der Haut reagieren gerade die Augen empfindlich auf Strahlungen ausserhalb des sichtbaren Lichtbereiches, vor allem im Ultraviolett-Bereich (UV). Im Schnee und am Wasser ist das Auge noch exponierter, da es nicht nur der direkten, sondern auch der von den Schnee- oder Wasseroberfläche reflektierten Strahlung ausgesetzt ist.

Dunkle Gläser schützen nicht – im Gegenteil

Seit Urzeiten schützt sich der Mensch vor grellem Licht, früher mit Schutzmasken, später mit dunklen Gläsern. Heute weiss man, dass dunkle Gläser ohne UV-Filterwirkung nicht schützen, im Gegenteil sogar den Schaden erhöhen: Wegen der Verdunkelung erweitern sich die Pupillen, so dass noch mehr gefährdende Strahlung ins Auge gelangt.

Sonnenstrahlung in der Atmosphäre
Sonnenstrahlung in der Atmosphäre Sonnenstrahlung - gemäss Quantentheorie masselose Elementarteilchen (Lichtquanten, Photonen) - ist der wichtigste Energielieferant der Erde. Der sichtbare Teil der Strahlung – von 380 bis 780 Nanometern (1 nm = 1 Milliardstel Meter = 0,000 001 Millimeter) Wellenlänge wird vom Menschen je nach Wellenlänge von Violett bis Rot als unterschiedliche Farben wahrgenommen. Wellen unterhalb von 380 nm zählen zur Ultraviolett-Strahlung (UV). Oberhalb von 760 nm beginnt die Infrarot-Strahlung (IR).
Die kurzwellige UV-Strahlung (200 – 380 nm), vermag die Pigmentbildung in der Haut anzuregen und chemische Reaktionen auszulösen. Die langwellige IR-Strahlung (780 – 10‘000 nm) kommt mit zunehmender Wellenlänge in den Bereich der Wärmestrahlung.
Während sichtbares Licht und IR-Strahlen nahezu ungehindert zur Erde dringen, wird ein grosser Teil der UV-Strahlung in der Atmosphäre von der Ozonschicht ausgefiltert. Die zunehmende Ausdünnung dieser Filterschicht muss vermehrt mit entsprechenden Schutzmassnahmen kompensiert werden. Übermässige UV-Bestrahlung kann zu Hautkrebs, Augenreizungen und gemäss jüngsten Erkenntnissen auch zu grauem Star (Katarakt) führen.
Bei starkem Sonnenschein mit entsprechender Blendung greift man noch schnell zur Sonnenbrille. UV-Schutz ist jedoch auch bei verhangenem Himmel nötig. Auch bei starker Bewölkung dringt rund 50% der UV-Strahlung durch.

"Gefährliches" Blaulicht
Wellenlängen von 380 – 500 nm werden als blaues Licht wahrgenommen.Vereinzelte Experten haben die These aufgestellt, dass auch der direkt der UV-Strahlung anschliessende Blaulichtbereich für das menschliche Auge schädlich sein könne. Wissenschaftliche Beweise stehen noch aus, und die europäische Gesetzgebung erwähnt ausdrücklich, dass selbst unter extremsten Bedingungen (z.B. im Hochgebirge) nicht mit einer Gefahr gerechnet werden könne. Trotzdem hat sich bei den Sonnenschutzglas-Herstellern der Standard "UV-400" durchgesetzt. Die europäische Gesetzgebung schreibt vor, dass diese Deklaration nur dann gemacht werden darf, wenn das entsprechende Glas in diesem Bereich nicht mehr als 0,5% der Strahlung durchlässt.

Anders als die (unsichtbare) UV-Strahlung kann das (sichtbare) Blaulicht mit optischen Mitteln ausgefiltert werden. Die Reduktion von Blaulicht ist eine Frage der Glastönung: jedes orange-braun aber kein grau oder grün gefärbtes Glas erfüllt diese Bedingung.

Eine zu hohe Absorbtion von Blaulicht führt zu einer verfälschten Farbwahrnehmung. Die Gesetzgebung hat dieser Tatsache mit den sogennanten Q-Faktoren Rechnung getragen. Ein zu tiefer Q-Faktor für dazu, dass beispielsweise Warnlichter von Polizei- und Krankenwagen (blau) oder Verkehrsamplen (grün) nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Sonnenschutzbrillen mit zu tiefen Q-Faktoren müssen gemäss europäischer Gesetzgebung als "nicht geeignet für den Strassenverkehr" deklariert werden.

Schutz vor Infrarot-Strahlung
Normale IR- oder Wärmestrahlung vermag das Auge ohne weiteres gut zu ertragen. Auch hier gilt jedoch: Allzuviel ist ungesund, vor allem, wenn man bestimmte Medikamente einnimmt (mit Arzt abklären). Vorhandene Schäden können sich verstärken. Wichtig ist ein IR-Schutz vor allem bei Sonnenbrillen, die das Auge fast hermetisch abschliessen: Zuviel IR-Strahlung kann hier zu einem Wärmestau führen. 

Standards und Normen für Sonnenbrillen
Bezüglich Sonnenbrillen-Standards und –Normen gibt es in der Schweiz und in Europa nur eine gültige Gesetzgebung: die "Direktive zur persönlichen Schutzausrüstung", EN 89/686. Dieser im Januar 1997 publizierte und in Kraft getretene Standard setzt Mindestanforderungen fest regelt die Deklarationen der Hersteller (siehe auch "Gefährliches" Blaulicht).Trotz definierter internationaler Normen versuchen vereinzelte Hersteller aus Marketinggründen immer wieder eigene Werte als neuen "Standard" zu kommunizieren.

Transmissionskurve: Prüfstand für Sonnenschutzgläser  
Der Schweizerische Optikerverband lässt jedes Sonnenschutzglas auf dem Schweizer Markt (mit Ausnahme unkontrollierte Direktimporte einzelner Anbieter) in seinen Labors vermessen. Die Resultate sind in sogenannten Transmissionskurven ersichtlich und können bei jedem Verbandsaugenoptiker (mit 3-Augen-Signet) eingesehen werden. Die Transmissionskurve zeigt die Leistungen bezüglich Filterwirkung und Durchlässigkeit eines Glases.

Transmissionskurven im Vergleich  

Die Transmissionskurve zeigt die Filterwirkung bzw. Durchlässigkeit eines Sonnenschutzglases auf.

Mode plus/versus Schutzaufgabe  
Sonnenschutzbrillen erfüllen nicht nur einen guten Zweck, sondern sind auch beliebte Mode-Accessoires. Entsprechend gross ist die Auswahl an Modellen. Wichtig ist neben der UV-Filterwirkung und einer geeigneten Tönung auch die Grösse der Gläser. Eine Sonnenbrille mit kleinen runden Gläsern mag chic sein, erfüllt jedoch ihre Schutzfunktion nur bedingt, da die Strahlung auch von der Seite und vor allem von oben aufs Auge treffen kann. Ideal sind Gläser, die bis zu den Augenbrauen gehen und seitlich mindestens bis zum Gesichtsrand.

Eine perfekte Abdeckung vor Strahlung bieten Brillen mit Seitenschutz. Sie stellen vom UV-Schutz her eine ideale Lösung für Skifahrer dar, die im Schnee neben der direkten auch der seitlich reflektierenden Strahlung ausgesetzt sind. Ein Nachteil der Seitenschütze ist, dass sie den peripheren Sehbereich einschränken, was gerade auf vielbefahrenen Pisten ein Sicherheitsrisiko darstellen kann. Beim Tourenskifahrern, Gletscherwanderern oder Bergsteigen ist dies weniger von Bedeutung. Wichtig ist bei Brillen mit Seitenschutz und fast hermetischem Anschluss ans Gesicht auch eine entsprechende IR-Filterwirkung der Gläser. Die an sich ungefährliche IR-Strahlung kann zu einem Wärmestau hinter der Brille führen.

Wahl der geeigneten Sonnenschutzbrille  
Die perfekte Universal-Sonnenschutzbrille für jede Anwendung gibt es nicht. Was für das Hochgebirge (Skifahren, Bergsteigen) idealen Schutz bietet, kann beim Autofahren (Waldpartien, Tunnels, Schattenregionen) gefährlich sein. UV-Strahlen sollten in jedem Falle vollständig absorbiert werden, Blau und übrige Farben im sichtbaren Lichtspektrum je nach Anwendung. Bei Skifahrern, Bergsteigern und Gletscherwanderern mit Seitenschutz-Brillen darf maximal 40% der Infrarotstrahlung durchgelassen werden.

Welche Filterwirkung für welche Anwendung
Einsatz UV Blau Übrige Infrarot
Stadt
100 % 50 % 50 % >40 %
Shopping
100 % 50 % 50 % >40 %
Autofahren 100 % 50 % 35 % >40 %
Velofahren 100 % 50 % 35 % >40 %
Joggen 100 % 50 % 50 % >40 %
Wassersport 100 % 50 % 35 % >40 %
Badeferien 100 % 50 % 35 % >40 %
Tennis 100 % 50 % 35 % >40 %
Skifahren 100 % 50 % 15 % >40 %
Bergsteigen 100 % 50 % 15 % >40 %
Deltasegeln 100 % 50 % 35 % >40 %
Ballonfahren 100 % 50 % 35 % >40 %
 

Begriffe & Tipps zur Wahl des Sonnenschutzglases
Glastypen Anwendungen
Dégradé – verlaufend getönte Gläser Ideal für Shopping , Reisen –nicht ratsam im Schnee
Full View – gleichmässig getönte Gläser Wichtig, wenn Licht von unten reflektiert wird
Polarisierende Gläser Für Wassersport und Fischen
Phototrop, d.h. sich unter Lichteinfluss verfärbende Gläser Für allgemeinen Gebrauch, nicht für Extremsituationen
Verspiegelte Gläser Ideal für Bergsteigen und Skifahren
Gläser/Brillen mit Seitenschutz Empfohlen für Bergsteigen und Alpinskifahren
   
Tönungsfarben Eigenschaften
Braun Angenehm warmer Farbton, leichte Farbverfälschungen, filtert Blaulicht
Grau Neutrale Farbwiedergabe
Grün Leichte Farbverfälschung, Verstärkung des natürlichen Grüns
Gelb Kontrasterhöhend, geeignet für Schiesssport und Skifahren, wegen starker Farbverfälschung nicht geeignet zum Autofahren
Blau, Violett, Rot Manchmal geeignet, nicht in jeder Form. Der Augenoptiker gibt Auskunft
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